Palmingers tänzelnde Wucht und seine machismofreie Virilität sind auf einer Bühne beeindruckend und werden konterkariert von seinen beiden Mitstreitern: Hier die bezaubernde Rica Blunck, die mit ihrer würdevollen Nonchalance jeden palminischen Übergriff elegant überhöht oder gelassen abtropfen lässt. Dort der drahtige, schubladenlose elektronische Freigeist Viktor Marek, dessen Grooves dem ungleichen Trio Kuschelkissen wie Drahtbürste sind. Das musikalische Repertoire, das ganz sicher oft von freiem „Speech“ des Imperators Palminger unterbrochen wird, verkörpert eine längst fällige Zusammenfassung seines bislang auf unzähligen Tonträgern verstreuten Ouvres: Als heiliger Gral hanseatischer Braukunst gilt weltweit die Palminger/Marek-Adaption des Hamburger Volksliedes „Junge mit`m Tüdelband“, ihr „Tüdeldub“ – Addition und Moderne!
Ein ebenso großer „Treffer“ ist „Die `Henry` Maske“, die zwingende Boxerpolemik der drei Künstler, die gut getimt mit seiner ungemein unterschwellig aggressiver Note ganz in der großen Schimpfsprech-Tradition von Herbert Wehner/Klaus Kinski/Norbert Gruppe steht.
Palmingers Versions von Gazebos „I like Chopin“ („Ich mag Chopin“) war jahrelang ein übersinnlicher Höhepunkt jeden Auftritts: Stets als „Das schönste Lied, das ich kenne“ angekündigt, entschlüpfen dem dünnen Mann Wimpernschläge und Gesten voller geborstener Zuneigung. Apropos Coverversion: Den alten John Holt-Klassiker „Police in helicopter“ lässt der kluge Bildersprecher kinderchorbewehrt als „Polizeihubschrauber“ ins Feld sacken. Babylon must fall! Ebenfalls beeindruckend in Palmingers Show: Das genialistisch in Szene gesetzte regressiv-maskuline Angstszenario namens „Deutsche Frau“. Palmingers schillernde, wundenbedeckte Zunge wird allein durch die Lederriemen seiner überdimensionalen Seelennot im Zaum gehalten. Songs wie „Harter Rock“, „Mishima“, „Colani“ und „Das Lied für alle“ ergänzen das wundersame Panoptikum. Kurz: Es ist zum Küssen!